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Nicht nur für Suppenkasper

03.09.2010 vonFranz

Ellenlang ist die Zutatenliste für ein kleines Süppchen, das selbst in einem herbstlichen Menü als Zwischengang zum Knüller des Abends werden kann und alle anderen Gänge blendend überstrahlt: Kürbiscappuccino mit Ingwerschaum und Korianderöl.
Beim Kochen sieht es recht unspektakulär aus, aber die Duttenhofers (aha!) haben das Rezept zusammengestellt, und wie man aus Erfahrung weiß, erfüllt es damit drei Kriterien:

1. es funktioniert zuhause,

2. es schmeckt köstlich,

3. die Herstellung ist nicht so kompliziert, wie es zunächst scheint.

Ich gebe das Rezept hier ohne Veränderung wieder, es ist einfach gut, wie es ist.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4

Titel: Kürbiscappuccino mit Ingwerschaum und Korianderöl
Kategorien: Vegetarisch, Suppe
Menge: 4-6 Personen


Zutaten:
1     klein. Hokkaidokürbis (circa 400 g Kürbisfleisch)
1            Zwiebel
2      Essl. Öl
1      Teel. Sesamöl
1            Walnussgroßes Stück Ingwer
2-3            Knoblauchzehen
1     klein. Getrocknete Chilischote
1/4       Ltr. Wasser
1/4       Ltr. Hühnerbrühe
Salz
Pfeffer
150     Gramm  Sahne; ca.
1      Essl. Fischsoße
1  Spritzer  Sojasoße
1/2      Teel. Zucker
Balsamico
Zitronenschale
Für den Ingwerschaum:
1/8       Ltr. Milch
2-3      Essl. Sahne
1            Dicke Scheibe Ingwer
Korianderöl:
1  Handvoll  Koriandergrün
1     Prise  Salz
1/8       Ltr. Mildes Öl (Olivenöl)

Quelle:

Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer
– Erfasst *RK* 26.08.2009 von
– www.einfachkoestlich.com

Zubereitung:

Den Kürbis halbieren, die Kerne entfernen, das Fleisch würfeln. Die Zwiebel fein würfeln, in einem ausreichend großen Topf im heißen Öl andünsten. Getrocknete Chili mit einer  Pfeffermühle  zermahlen, zusammen mit dem gewürfelten Ingwer und Knoblauch hinzufügen. Erst dann das Kürbisfleisch mitdünsten und schließlich mit Wasser auffüllen, nur knapp bedecken. Salzen, pfeffern, das Sesamöl hinzugeben und zugedeckt 20 bis 25 Minuten lang sanft gar kochen.

Schließlich mit dem Pürierstab glatt mixen, dann mit Sahne und so viel Brühe wie nötig bis zur gewünschten (nicht zu dicken!) Konsistenz auffüllen. Das Süppchen soll leicht und beschwingt wirken! Mit Fisch- und Sojasoße, Balsamico, etwas abgeriebener Zitronenschale und etwas Zucker abschmecken.

Für den Ingwerschaum Milch und Sahne erhitzen, den fein geriebenen Ingwer hineinrühren und ziehen lassen.

Für das Korianderöl die abgezupften Blätter mit Salz und Öl glatt mixen. Zum Servieren die Kürbissuppe erhitzen, nochmals abschmecken und in Kaffeetassen verteilen. Die Ingwermilch mit dem Mixstab oder dem Dampfstab der Espressomaschine aufschäumen. Den Schaum mit einem Löffel auf die Oberfläche der Suppe streifen. Mit Klecksen von Korianderöl beträufeln und sofort servieren.

=====

Und dann habe ich das Süppchen doch ziemlich dick und sämig gehalten und es als “lauwarmen Kürbisrahm” serviert


Ein Hinweis vielleicht noch: für den Schaum obenauf braucht man wirklich einiges an Ingwer, er sollte schon ausgesprochen deutlich aromatisiert sein.

ps. Ich habe das Rezept nochmal im RezKonv-Format eingebaut, aber das Formatieren ist jedesmal die Hölle für mich. Und mit dem HTML-Export funktioniert es einfach nicht, scheinbar bin ich zu dumm dazu. Jetzt gehts erst in den Urlaub (also Blogpause) ,und dann werde ich mal die RezKonv-Leute interviewen.


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Salz unter der Haut

03.09.2010 vonFranz

Wie Tim Mälzer schon sagte: “Bei Köchen gibt es zwei Fraktionen – die einen salzen vor dem Braten, die anderen danach.”
Ständig bin ich hin- und hergerissen, wahrscheinlich gibt es aber auch keine allheilbringende Regel, wohl aber noch mehr Möglichkeiten, zum Beispiel das Marinieren in gesalzener Würzflüssigkeit. Nein, ich meine nicht das richtige Pökeln zum Haltbarmachen, ich sage nur: Osmose.

Die Idee habe ich von Jeffrey Steingarten, der eine Gans damit traktierte, und was Osmose eigentlich bedeutet, habe ich bei Wikipedia nochmal nachgeschlagen. Ich muss gestehen, als Nicht-Chemiker war ich danach auch nicht viel schlauer, vielleicht kann lamiacucina mir auf die Sprünge helfen. Eine einfachere Erklärung hat sich Jeffrey Steingarten in seinem “Der Mann, der alles isst – Teil 2″ schon bei einem Freund besorgt:

“Das Ganze habe mit Osmose zu tun, erklärte mir Harold. Die Osmose war mir schon immer ein Buch mit sieben Siegeln – ich muss an jenem Tag in der Grundschule gefehlt haben. jetzt, wo ich erfahren habe, wie kompliziert die Osmose ist, sollte sie meiner Ansicht nach erst gegen Ende der Collegezeit gelehrt werden, wenn überhaupt.

Die Sache läuft ungefähr so ab: Zuerst entzieht das Salz in der Lake der Gans das Wasser und dringt dann selbst in das Gänsefleisch ein; das Salz würzt das Fleisch und macht es weicher, indem es einige der im Muskelgewebe enthaltenen Proteine auflöst. Gleichzeitig bewirkt die erhöhte Konzentration aufgelöster Gewebepartikel in den Säften der Gans, dass das Wasser aus der Lake gewissermaßen wieder in das Fleisch zurückgesogen wird, wodurch dieses saftiger wird; dabei schmuggeln sich die in der Lake enthaltenen Würzstoffe und Aromen in das Fleisch – ein, wie ich finde, faszinierender Vorgang.” Soweit Herr Steingarten, dessen Bücher ich liebe, das erste noch mehr als das zweite. Stimmt das mit der Osmose in etwa so, Robert?

Jedenfalls musste ich es auch mal probieren, nicht mit einer Gans, wie im Buch, sondern eine empfindliche Hühnerbrust sollte her.

Anders als beim Garziehenlassen, was mit einer Enten- oder Hühnerbrust hier schon sehr gut funktionierte, wird das rohe Fleisch diesmal für etwa 20 Std. in einen kalten Würzsud eingelegt.

Auf einen Liter Wasser kommen 12 g Salz, 10 schwarze Pfefferkörner, 2 Pimentkörner, 1 Zweig Rosmarin, 1 Knoblauchzehe, 1 Messerspitze Zimtpulver, 1 Messerspitze Currypulver. Den Rosmarin kann man durch Febchel oder Anis ersetzen, ein TL Zucker kann auch nicht schaden.

Alles zusammen aufkochen und wieder abkühlen lassen, das Fleisch mit der Flüssigkeitbedecken und in den Kühlschrank stellen. Ganz große Fleischstücke lassen sich auch durch eine große Spritze mit der Würzflüssigkeit “impfen”,

Um ein Hühnchenbrustfilet zu bedecken, braucht man etwa 1/2 Liter Flüssigkeit, bei einer ausgelösten Lammkeule sind es dann schon 2 bis 2 1/2 Liter – genau, mit Lammfleisch habe ich das auch schon mit gutem Erfolg gemacht. Nach dem “Osmodieren” habe ich die ausgelösten Lammstücke nur kurz angebraten, eine halbe Stunde bei 120 Grad C im Ofen ziehen lassen und hatte zarte, saftige Bratenstücke. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Schweinsbackl im MAK angepökelt waren, auch, obwohl’s in der Regel nicht üblich ist.

Die Hühnerbrüstchen lassen sich gut anbraten, nicht zu heiß, aber immerhin so, dass sie gut Farbe nehmen. Trotzdem bleiben sie zart und werden nicht trocken. Damit sie in Form bleiben, sollte man die Filets vor dem Braten binden. Man kann das Bratfett auch z.B. mit Curry oder Ras el-Hanout usw. würzen.

Vielleicht ein Kartoffel-Spitzkohl-Gemüse dazu?
Guten Appetit.

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Recht so?

03.09.2010 vonFranz

Zum Brotkörbchen serviert Herr Österreicher in seinem MAK-Gasthaus eine Kräutercreme und ein Gewürzöl. Letzteres besteht aus Erdnussöl und einer Gewürzeinlage, die ich im Wesentlichen für eine Art Krokant aus getrockneten Tomaten und Erdnusskernen halte, jedenfalls interessant und köstlich.

Ich habe versucht, den Geschmack nachzubilden, allerdings in einer Creme.

Man nehme ein aromatisches, kaltgepresstes Erdnussöl, geröstet oder auch nicht, ein paar ungesalzene Erdnüsse und in gleicher Menge sonnengetrocknete Tomaten.

Die Tomaten werden feinst geschnitten und in heißem Wasser kurz eingeweicht, dann abtropfnen lassen.
Nüsse fein hacken und mit einer guten Prise Zucker leicht anrösten, dann die abgetropften Tomatenstückchen zufügen, kurz mitschmurgeln lassen, etwas Erdnusskernöl dazugeben, kurz aufschäumen lassen und zum Abkühlen beiseite stellen.

Schmand mit wenig Salz glattrühren. Sollte sich bein Tomaten-/Nussgemisch ein leichter Krokant gebildet haben, diesen zerkleinern, dann unter den Schmand mischen, evtl. weiteres Erdnussöl angießen. Gut gekühlt zum Brot servieren.

Zusätzlich habe ich noch etwas Piment d’Espelette untergerührt.

Eine köstliche Ergänzung zu Knoblauch- oder Kräuterdips. Recht so, Herr Österreicher?

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Piefkes beim Österreicher

03.09.2010 vonFranz

Was sind das nur für köstliche Kartoffeln, die man dort allerorts serviert bekommt? Beim nächsten mal muss ich unbedingt nachfragen, und dass wir noch einmal nach Wien reisen werden, ist so klar wie der Sommerhimmel, unter dem wir 5 Tage in dieser bemerkenswerten Stadt verbringen konnten.

Unendlich viel gäb’s zu erzählen, doch hier soll nur vom Essen und Trinken die Rede sein, nämlich wie ein sich anbahnender kulinarischer Totalausfall schließlich abgewendet und durch ein Highlight mehr als wettgemacht wurde.

Oswald & Kalb in der Bäckerstraße, ein Stück weiter und an der Menschenschlange vorbei, die vor der „Schnitzelmanufaktur“ Figlmüller auf einen Sitzplatz wartet, war das erste Gasthaus, das wir in Wien besuchten.
Es heißt, dies sei legendär als Künstler-Beisel, wo man auch heute noch auf Prominenz und Schillerndes trifft. Wer weiß, wir jedenfalls haben einen Tisch auf der schmalen Terrasse zur Bäckerstraße ergattert.


Meine Rucola-Ravioli mit Eierschwammerl waren nicht schlecht, der Rucola, auf den sie gebettet waren, dagegen dermaßen bitter, dass ich ihn meinen Gästen nicht vorgesetzt hätte. Auch die Zwetschkenknödel haben mich nicht überzeugt, der Teig war fad und gummiartig, nur ein paar Beeren zur Dekoration auf dem Teller, keine nennenswerte Fruchtsauce.
Fad waren auch die gebratenen Zanderfilets und der Spinat.
Köstlich allerdings die Salzkartoffeln.

Ein Lokal, das neben mäßiger Küchenleistung für einen Achtelliter ( 0,125 !!!) Weißwein mindestens 4,90 verlangt und eine 0,7er Flasche Mineralwasser für 5,10 verkauft, kann auf mich als Dauergast nicht rechnen. Auch das Essen ist den Preis nicht wert.

Genauso wenig wie die stolzen 15 bis 20 Euro, die man überall in der Stadt für ein Wiener (Kalb)Schnitzel mit Beilage (gem. Salat oder Kartoffelsalat) verlangt. Irgendwo in Rathausnähe sind wir in einem Restaurant, dessen Name ich zu deren Glück vergessen habe, der Versuchung erlegen.

Mir wurde übel, enttäuscht waren wir beide. Das Fleisch war ultrasuperdünn gewalzt – ich sage 1 mm, meine Frau behauptet knapp 2 – und die fade Panade brachte es locker aufs 6- bis 8-fache des Fleischgewichts. Der gemischte Salat bestand aus teils angewelkten, ganzen Blättern, in der Schale schwappten 2 EL leicht saures Wasser und darauf 2 Tröpfchen Öl.
Aber der Kartoffelsalat war köstlich.


Genug erzählt von schlechter, teurer Kost, schließlich hatten wir dann doch noch das Genießerglück auf unserer Seite.

Schön ist es auch vor der Stadt, zum Beispiel am alten Donauarm in Floridsdorf. Nach einem heißen Tag kann man vom schmalen Schilfrand des Wassers den Paaren zusehen, die in der Dämmerung mit Picknickkorb und Frizzante gerüstet in Ruder-, Tret- oder Elektrobooten auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen auf den See mäandern.

Man kann natürlich auch am Ufer bleiben, zum Beispiel in La Creperie, den sehr leckeren Chardonnay aus dem Weinviertel genießen, dazu eine Geflügelleberterrine mit Salat oder den hervorragend gegrillten Loup de mer, sehr zu empfehlen natürlich auch die köstlichen gefüllten Crepes. Netter Service, kleine Preise, gute Stimmung – ein Sommerabend, wie man ihn sich wünscht.

Das kulinarische Highlight unserer Wienreise bescherte uns Helmut Österreicher in seinem schönen Gasthaus „Österreicher im MAK“. Die Beschreibung „Gasthaus“ trifft nicht so recht die moderne, offene Atmosphäre des großen Restaurantsaales und der schönen Gartenterrasse, wohl aber die kulinarische Absichten des Hausherren – natürlich auf hohem Niveau.

Die Speisenkarte listet links „klassische Wiener Küche“, rechts „moderne Wiener Küche“ auf, mischen possible.

Vorweg zwei kleine Tiegelchen mit einerseits Kräutercreme und daneben Erdnussöl mit geröstetem Nuss-Tomaten-Krokant (?). Bei großer Hitze serviere man lieber das Öl statt zerflossener Butter, erklärt der Herr Ober. Eine schöne Idee, die ich zuhause mit kaltgepresstem Erdnussöl probieren werde. Vielleicht röste ich ein paar Nüsse mit Trockentomaten dazu oder aromatisiere schlicht Schmand mit dem würzigen Öl.

Eine kleine Enttäuschung war der Brotkorb, in dem sich neben leckeren Vollkornscheibchen eine schlichte kalte Semmel breitmachte. Dass er aber durchaus hervorragende Brote backen kann, bewies Herr Österreicher

mit seinem sensationellen Kürbiskernbrot, das er zur Vorspeise reichte.
Ob das Brot zu

den überbackenen Pfifferlingen meiner Frau oder zu meinem Rindfleischsulz gehörte, war uns egal, es passte hervorragend zu beiden Gerichten.
Die Pfifferlinge waren wohl so gut, dass meine Frau sie in nullkommanix verputzte, noch bevor ich auch nur einen Bissen davon kosten konnte. Ich bin ihr jetzt beim Schreiben noch etwas böse, besonders, weil sie später sagte, an den Pilzen sei ein Gewürz gewesen, das sie nicht benennen könne, aber es hätte “den Geschmack wunderbar unterstrichen, usw. usw.” (Verdammt!). Angerichtet war der Teller sehr schlicht, aha, also doch Gasthaus.


Der Rindfleischsulz thronte umringt von Feldsalat mit Zwiebelringen und Kürbiskernöl. Beim Anschneiden zerfiel der Abschnitt in kleine Fleisch- und Gemüsewürfelchen – Absicht?  Die ließen sich dann auf den Salatblättchen liegend verspeisen. Bestimmt Absicht, denn alles zusammen schmeckte wunderbar. Das Fleisch, der Sulz waren kräftig im Geschmack, die Gemüse hatten viel Aroma, alles war subtil und dennoch deutlich mit leichter Säure mariniert, dazu das hocharomatische Kürbiskernöl: große Klasse!

Genau so ging es weiter, bei meiner Frau mit Lachsforelle auf Sonnenblumenkerne-Reis mit Paprika, ich hatte Schweinsbackerl mit Paradeiser-Spitzkraut und Erdäpfelauflauf bestellt.

Die zwei Stücke Schweinbacken waren schieres, mageres Fleisch, auf den Punkt gegart, saftig und mit einer Schmorsauce übergossen. Ich nehme an, das Fleisch war leicht angepökelt. Das lange Marinieren im Salz- und Gewürzsud macht Fleisch zart und weich und keineswegs trocken. Ich habe letztens einige Kochexperimente mit gutem Erfolg damit gemacht und werde später ausführlich dazu schreiben.
Im Tomatenkraut waren auch getrocknete Tomaten verarbeitet, die meist schon etwas Salzigkeit mitbringen. Das und das gepökelte Backenfleisch brachten die Würze des ganzen Gerichts an die Grenze, aber nicht darüber hinaus, es war äußerst kräftig, aber nicht überwürzt.
Der Kartoffelauflauf stellte sich als Souffle heraus: perfekt in Konsistenz und Stand, herausragend der Kartoffelgeschmack.
Ich habe es schon nachzubacken versucht und berichte demnächst darüber.

Das Lachsforellenfilet  auf dem Teller meiner Frau war ebenfalls perfekt, vom Geschmack des Sonnenblumenkern-Reis waren wir beide schlichtweg baff! Der Reis war aus verschiedenen Sorten gemischt, bissfest gegart, hatte ein wunderbares Aroma ohne den Reisgeschmack zu übertönen, da war kaltgepresstes Sonnenblumenkern-Öl im Spiel, vielleicht auch geröstete Kerne, irgendein orientalisches Gewürz – ich weiß es nicht, es war verblüffend und einfach perfekt!

Als Dessert hatte meine Frau den MAK Eiskaffee „Superior“, den sie wieder erfolgreich gegen ihren gierigen Mitesser verteidigte, ich nehme an, er war oberköstlich.
So etwas himmlisch samtig Cremiges wie meinen Nuss-Schmarren mit eingelegten Birnen habe ich zuvor noch nie gegessen. Mehr kann ich dazu nicht sagen und mit dem Nachkochen brauche ich gar nicht erst anzufangen.

Beim Wein hätte ich mich nicht vom Hauswein, einem mir zu dünnen Grünen Veltliner aus Krems oder dem etwas unausgeglichenen Welschriesling aus der Südsteiermark aufhalten lassen sollen, sonder hätte besser gleich zum Grünen Veltliner Weinviertel DAC 2007 von Ewald Gruber in Röschitz gegriffen. Immerhin 12 offene Weiß- und 11 offene Rotweine stehen auf der Karte.

Die Preise sind gemessen an der Leistung insgesamt sehr moderat. Der Service ist aufmerksam, sehr freundlich und kompetent.

Der Besuch bei Herrn Österreicher ist also Pflicht für jeden, der gern gut, unkompliziert und preiswert isst und irgendwie in die Nähe von Wien kommt. Besser, man fährt ganz gezielt dort hin, so wie ich, wenn ich noch mal den Nussschmarren genießen möchte. Und natürlich wegen der leckeren Kartoffeln.



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Heiße Eisen

03.09.2010 vonFranz

Was habe ich nicht schon alles an Bratpfannen ausprobiert – Edelstahl, schwerer Aluguss beschichet, Edelstahl beschichtet, leichte, beschichtete Alupfanne aus der Metro und vom selben Ort auch die schweren beschichteten Edelstahlpfannen. Letztens in der Toscana habe ich mit verbeulten, alten Blech- und Alutöpfen gekocht – geht auch, aber das Saubermachen ist ziemlich schweißtreibend.

Auch die teuren, beschichteten Edelstahlteile, z.B. von Spring, sind nach einem Jahr in meiner Küche ziemlich hin – ja, hier wird heftigst gebruzelt und nicht akriebisch gewienert. Irgendwann hatte ich mich mit mäßigem Bratgerät abgefunden. “Vielleicht hast du es ja auch nicht richtig drauf”, ging mir durch den Kopf. Dann wechsel ich halt ein, zwei Pfannen pro Jahr aus, macht etwa 30 Euro pro Stück und ist somit immer noch viel preisgünstiger als irgend so ein Edelbratteil.

Dann bin ich auf Eisenpfannen gestoßen. Viele Infos und Erfahrungen gab’s dazu im Netz, und als ich ein günstiges Angebot fand, musste ich zuschlagen: zwei Pfannen der Firma Turk, aus Eisen und “freiform-warmgeschmiedet”, eine ist 20 cm im Durchmesser, die andere misst 28 cm, beide haben einen langen Hakenstiel, die große ist schon ziemlich schwer.
Gestern kam endlich das Postpaket. Natürlich musste ich die Pfannen sofort “einbraten”. In der Anleitung stand, man solle dafür am besten Kartoffelschalen nehmen. Nach kurzer Überlegung habe ich festkochende Kartoffeln geschält und für einen Kartoffelsalat gekocht. Viel wichtiger: die Schalen fürs Einbraten!

Die Pfannen sollen in Waschmittellauge (Persil, Ariel – ehrlich!) eingeweicht und gründlich gereinigt werden. Dann werden sie mit Öl als Rostschutz ringsum leicht eingefettet. Auf mittlerem Feuer mit Öl erhitzen, dann 1 TL Salz und die Kartoffelschalen hinein. Jetzt wird alles langsam gebraten bis wirklich niemand mehr erkennt, um was es sich da in der Pfanne eigentlich handelt. Während dieser Prozedur öffnet der gewitzte Hobbykoch am besten weit die Küchenfenster und schickt seine Frau zum Schuhekaufen in den Nachbarort.

Wenn die Pfanne nicht mehr gar so heiss ist, schmeisst man die Kohleschalen weg und reibt die Pfanne mit Papier und Salz sauber. Keinesfalls spülen!

Wie man sieht hat sich bereits eine Patina gebildet.

Natürlich musste ich nun sofort irgend etwas knusprig braten. Da fiel mir der Bratfisch mit Kartoffelsalat ein, den ich so gern bei Gosch esse. Also habe ich eine Mayonaise für den  Kartoffelsalat gemacht und ein Schüsselchen Eierremoulade noch gleich dazu.

Als Bratfisch gab es Barsch vom Victoriasee. Eigentlich wollte ich den nicht mehr kaufen und habe das auch ein paar Jahre durchgehalten, aber auf die Schnelle gab es kein besseres Fischfilet zum Braten, verdammt!
Das Bratergebnis war gigantisch gut. Die Filets waren nur gepfeffert und gesalzen, leicht mit feinem Hartweizengries mehliert, ganz wenig Olivenöl in der Pfanne, Mittelhitze, nichts klebt, nichts suppt aus, Bräunung perfekt, Kruste kross.

Es heißt, die Pfannen werden durch Gebrauch mit der Zeit immer besser. Wo soll das bloß hinführen?


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