03.11.2008 vonFranz

Eigentlich habe ich gar keine Traumkamera, oder – genauer – gar keinen Traum von einer Kamera.
Schon durch meine erste Digitalkamera (etwa 2001), eine Canon G2, hat sich die Hobby-Fotografiererei für mich grundlegend gewandelt: verblüffend, wie einfach plötzlich viel bessere Fotos zustande kamen. Der ausklappbare Schwenkmonitor macht über-Kopf-Aufnahmen spielend möglich,

die Kamera mal eben irgendwo dazwischen zu halten, ist kein Problem. Vier Megapixel reichen auch für 30 x 40 cm große Fotoabzüge vollkommen aus. Der eingebaute Blitz ist natürlich allenfalls zum leichten Aufhellen brauchbar, aber mit einem schwenkbaren Aufsteckblitz sieht alles schon viel besser aus. Meist fotografiere ich mit vorhandenem Licht, aufgestützt, angelehnt oder mit Stativ. Auch die ersten Foodfotos für den Blog habe ich so gemacht und war im Grunde recht zufrieden.
Aber: gesteuerte Schärfe ist nur schwer möglich und eine unendlich scheinende Auslöseverzögerung nervt mich am meisten. Das ist zwar bei food stills nicht immer so tragisch wie hier geschehen,

aber bei Bewegungen verpasst man aber oft den richtigen Moment. Und im für Tellerfotos wichtigen Entfernungs- und Brennweitenbereich zwischen nah und Makro war mit der G2 nur sehr umständlich zu hantieren.
Die ersten digitalen Spiegelreflexkameras fand ich zu groß und klobig. Und das waren sie ja auch, z.B. die Nikon D70 oder, noch schlimmer, die Sigma 100(?). Zum Mitnehmen für unterwegs war das nichts und nur für meine Radieschenfotos wollte ich keinen Kamera-SUV. Dazu kam noch der relativ hohe Preis.
Meine zweite Digitalkamera ist eine Pentax 750Z. Die ist kleiner als die Canon G2, hat auch einen Schwenkmonitor, kann 7 Megapixel auflösen, hat einen 5-fachen optischen Zoombereich (gegenüber dem 3-fachen der Canon) und war eigentlich ein Fehlkauf: die höhere Auflösung bringt mir kaum etwas, das Objektiv verzeichnet ungeheuer und am schlimmsten: man kann keinen externen Blitz anschließen. Dennoch habe ich sie oft im Auto dabei oder in der Tasche, wenn ich durch die Stadt spaziere. Für Foodfotos ist sie nicht besser geeignet als die Canon G2.

Irgendwann habe ich dann einen neuen Anlauf genommen und mich bei den DSLRs wieder umgesehen. Und so kam ich zur Nikon D50. Im Vergleich zur Canon G2 war das ein Schritt in eine andere Welt. Es hatte sich technisch sehr viel getan: die D50 ist klein, leicht und bietet viele Einstellmöglichkeiten. Die Auflösung (6 Megapixel) reicht für Amateure völlig aus, ebenso das Nikon Standard-Zoom 18-55 mm. Ich habe noch ein Telezoom 55-200 mm von Tamron mit einer Nahlinse (+1) dazugekauft usw. usw. … Aber das erzähle ich wenn’s demnächst um Objektive geht. Da ich inzwischen die meisten Foodfotos blitze, sollte die Verschlusszeit wegen des hellen Umgebungslichtes möglichst kurz sein. Die D50 schafft sogar 1/500 sec., schneller als alle neueren, größeren Nikon-Modelle.
Mit der D50 mache ich praktisch 90% meiner Foodfotos. Weil ich inzwischen auch wieder großen Spaß am Fotografieren anderer Motive bekommen habe, musste es dann noch eine Nikon D200 sein. Das ist keine Einfach-los-fotografier-Kamera mehr, sondern im Grunde ein Profi-Gehäuse, an dem man wirklich sehr, sehr viel einstellen kann und muss. Die Bildqualität ist mit 10 Megapixeln natürlich viel besser als bei der schon guten D50. Das bringt aber nur etwas, wenn man wirklich stark vergrößern will.

Dann sollte man auch in gute Objektive investieren und das Ganze geht schnell über die Hobby-Food-Fotografie hinaus.
Einen wesentlichen Vorteil hat die Nikon D200 gegenüber der D50 und vielen anderen Spiegelreflexkameras: man kann den Spiegel auch vorauslösen oder auch mit einer automatischen Vorauslösung von 0,4 sec. fotografieren (das hilft übrigens schon sehr gut). Gerade bei der Fotografie mit vorhandenem Licht, auch vom Stativ, sorgt nämlich das Hochklappen des Spiegels für eine Erschütterung des Gehäuses und führt so zur Verwacklungsunschärfe. Das gilt für den gesamten Verschlusszeitenbereich von etwa 1/60 sec. bis 1 sec. und macht sich besonders bei der Verwendung starker Teleobjektive ohne Verwacklungsausgleich schon ab 1/250 deutlich bemerkbar.

Eine andere Lösung dieses Problems wäre der Kauf der digitalen Leica M8. Ach, da ist sie ja, meine Traumkamera! Ich geh’ dann mal zum Lottospielen …
Apropos Kosten: sowohl die D50 wie die D200 habe ich gekauft, nachdem längst teure Nachfolgemodelle auf dem Markt waren. So konnte ich vor etwa einem Jahr die D50 mit Standard-Zoom über ebay für 380 Euro kaufen, eine zweite für unseren Sohn hat vor 3 Monaten sogar nur Euro 250 gekostet. Das D200-Gehäuse mit Akkuzusatzgriff kostete vor einem halben Jahr 850 Euro. Alle Kameras hatten nicht viel mehr als 2.000 Auslösungen hinter sich, waren also wenig benutzt.
Wer den Angaben des Verkäufers nicht traut, kann ganz einfach herauskriegen, wie viel Auslösungen der Kameraverschluss hinter sich hat, auch, wenn jemand am Gehäuse einen „general reset“ gemacht hat:
Man bittet den Verkäufer um ein aktuelles Foto, das mit der Kamera gemacht wurde, z. B. das Titelbild einer Zeitung oder eines Magazins. Es muss eine Original-JPEG-Datei sein, also nicht bearbeitet, sondern so, wie die Kamera sie auf die Speicherkarte geschrieben hat. In einem entsprechenden Programm, z. B. Photoshop, sieht man in den EXIF-Daten der Datei (Datei/Dateiinformationen), wann das Foto mit welcher Kamera aufgenommen wurde. Durch das Hochladen der Datei auf
http://public.robo47.net/kamera-ausloesungen-aus-original-bild-auslesen.php#queryResult
wird die tatsächliche Anzahl der Kameraauslösungen auslgelesen.

Bis zum Verschluss-Service nach etwa 100.000 Auslösungen, die Nikon für die D200 angibt, kann’s bei meiner also noch etwas dauern.
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