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Halb gefroren, heiß begehrt

19.01.2009 vonFranz

Nach einem deftigen Hauptgang noch ein Dessert? Gefahr für Leib und Leben.
Zunächst hatte ich an ein säuerliches Sorbet oder eine spritzige Granite gedacht: eisig und belebend. Doch leider fehlt mir fürs erste die passende Eismaschine und fürs zweite die Erfahrung. Aber was Kaltes sollte es schon sein und zum Glück fiel mir dann noch das Ziegenkäse-Semifreddo ein. Vielleicht hat es das durchaus gelungene Cassoulet sogar noch ein bisschen in den Schatten gerückt.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4

Titel: Ziegenkäse-Semifreddo mit Birnen, Gewürztraminer- Zabaione und Rosmarinkrokant
Kategorien: Dessert, Eis
Menge: 8 Portionen

Zutaten:
Semifreddo:
150     Gramm  Ziegenfrischkaese, z.B. Picandou
200        ml  Schlagsahne
2            Eiweiß (Kl. M)
30     Gramm  Zucker
2      Essl. Flüssiger Honig
Birnen:
2            Birnen
150        ml  Gewürztraminer
10     Gramm  Vanillinzucker
1            Vanilleschote
Zabaione:
50        ml  Gewürztraminer
6      Essl. Vom Birnensud
3            Eigelb
25        ml  Ahornsirup
3            Gewürznelken; gemahlen
Rosmarinkrokant:
50     Gramm  Mandelblätter
50     Gramm  Zucker
2      Teel. Gehackte Rosmarinnadeln
Außerdem:
Ahornsirup
Quelle:
– Erfasst *RK* 19.01.2009 von
– http://www.einfachkoestlich.com

Zubereitung:
Käse mit 80 ml Sahne und Honig verrühren, restliche Sahne steif
schlagen, Eiweiß mit Zucker steif schlagen, beides unter die
Käsemasse ziehen, in eine kleine Terrinenform füllen, die mit
Frischhaltefolie ausgelegt ist, über Nacht tiefkühlen.

Birnen schälen, vierteln, entkernen und in 1/2 cm dicke Spalten
schneiden. Zucker und die aufgeschlitzte Vanilleschote zugeben und
mit Gewürztraminer bedecken. Je nach Festigkeit/Reifegrad 5 bis 10
min. köcheln lassen, dass sie noch bissfest sind und im Sud erkalten
lassen.

Für die Zabaione die Eigelbe mit dem Ahornsirup über einem heißen
Wasserbad schaumig aufschlagen, nach und nach den Wein und den
Birnensud zufügen, dann im Eiswasserbad kalt schlagen, im
Kühlschrank abkühlen lassen.

Für den Rosmarinkrokant die Mandelblätter in einer beschichteten
Pfanne ohne Fett hellbraun rösten.  Den Zucker in einem
unbeschichteten Topf schmelzen lassen bis er hellbraun ist, dann die
gehackten Rosmarinnadeln und die Mandelblätter zugeben und mit einem
Holzspatel verrühren. Alles auf ein Backpapier schütten und dünn
ausbreiten, abkühlen lassen und dann grob mit dem Messer zerhacken.

Zum Anrichten das Semifreddo etwa 45 min. im Kühlschrank antauen
lassen, in Portionen schneiden und auf Teller verteilen.
Birnenspalten abtropfen lassen und neben das Eis legen. Mit der
Zabaione begießen und mit dem Krokant bestreuen. Einen dünnen Faden
Ahornsirup darüber laufen lassen.

=====

Leicht sollte es sein, erfrischend und nicht so süß. Man war sich einig: so ist es. Bis auf die noch etwas zu festen Birnenspalten gab es auch für mich nichts zu meckern.

Der Geschmack des Semifreddos ist sahnig mild und überhaupt nicht streng. Man könnte die Käsenote durch einen kleinen Stinker durchaus etwas steigern. Ich finde allerdings, da sollte nur ein Hauch Ziegenaroma sein, Frischkäse ist gerade recht. Noch milder würde es mit einem Ziegenjoghurt, vielleicht aber auch schon zu fad.
Das Eis hat eine leicht brüchige Konsistenz weil der Sahneanteil nicht so hoch ist und nur im Tiefkühler gefroren wurde. Gerade das gefällt mir aber sehr gut. Cremig in der Eismaschine gerührt oder mit Zusätzen um die Geschmeidigkeit zu erhöhen und im Mixer aufgeschlagen wäre es mir längst nicht so außerordentlich delikat.

Zu raten wäre noch, nur in Ausnahmefällen einen anderen Wein zu verwenden. Das Gewürztraminer-Aroma passt schon einzigartig gut.
Wenn die Zabaione schön luftig geworden ist, kann man auch vorsichtig Nocken aus der gekühlten Masse heben. Leider hatte ich es noch einmal umgerührt.

Ein paar dünne Scheibchen von schwarzen Nüssen, die jetzt nach gut einem Jahr Lagerzeit schön weich sind, geben noch optischen Pfiff. Sieht ein bisschen aus wie schwarze Trüffel, nicht wahr?


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Angefixt

18.01.2009 vonFranz

„Ich würde gern mal ein richtiges Cassoulet machen“, sagte Holger und wußte in diesem Moment wahrscheinlich noch nicht, welche Folgen sein beiläufig geäußerter Wunsch haben würde. Von Sarah Wiener erzählte er, von einer TV-Folge ihrer Frankreich-Reise und natürlich vom darin gekochten Cassoulet.

So angefixt und zu kulinarischen Taten allzeit bereit, schlug ich vor, ein gemeinsames, großes Cassoulet-Essen zu veranstalten – wenn nicht wir, wer dann?
Draußen ist es knackekalt, also: wenn nicht jetzt, wann denn? Gestern war es so weit.

Ein Cassoulet schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel, mit Umsicht, Sorgfalt, strategischer Planung und Disziplin lässt es sich aber schon machen. Glücklicherweise hatte ich Wieners Cassoulet-Filmchen aufgezeichnet. Dies, das arte-Rezept und etwas Recherche machte klar, es sollte genau diese Variante sein, das Cassoulet aus Castelnaudary, in ausreichender Menge für 8 anständige Esser.

Holger war für das Entenconfit und den Wein zuständig. Am Tag X-3 (Mittwoch) hat er 8 Entenkeulen besorgt, sie im Gelenk geteilt und die Stücke rundherum in Salz gebettet über Nacht kühl ruhen lassen.

Am nächsten Tag (X-2, Donnerstag) werden die Entenstücke aus dem Salz genommen und am besten mit einem Küchenpinsel gesäubert. Überflüssige Haut und Fett schneidet man ab und lässt es in einer großen Pfanne langsam aus. Das so gewonnene Fett wird nicht reichen, um darin das Fleisch zum Confit zu garen. Glücklich, wer von den letzten Enten oder Weihnachtsgänsen noch reichlich Fett im Kühlschrank hat. Zur Not nimmt man Schweineschmalz, das schmeckt dann natürlich etwas anders.
Vom eigenen Fett bedeckt garen die Entenstücke nun 2 Stunden mit 150 Grad C im Ofen, dann lässt man sie im Fett erkalten und kann für den Rest des Tages zum Beispiel einen geeigneten Wein zum Cassoulet auswählen.

Holgers Wahl war auf einen sehr gradlinigen Corbière gefallen und Christiane, seine Frau, war eher von dem etwas fruchtigeren Chateau Saint-Auriol (ebenfalls aus Corbière) angetan. Beide hatten ausgezeichnet gewählt, wie ich meine, und trotz reichlichem Vorrat blieb weder vom einen (zum Cassoulet):


noch vom anderen (danach):

auch nur ein Tropfen zurück.

Mein Donnerstagnachmittag war mit Einkäufen belegt, nur die französische Knoblauch-Kochwurst aus Toulouse war in ganz Düsseldorf nicht aufzutreiben (von wegen Klein-Paris!).
Schließlich musste ich zu einer dicken Knoblauch-Mettwurst greifen, sie schmeckte gut.
Auch die kleinen weißen Lingot-Bohnen musste ich ersetzen, hier kam mittelgroße weiße Bioware zum Einsatz. Die wurde abends mit reichlich kaltem Wasser bedeckt.

X-1, Freitag


Schweinshaxen, Schwarten und Knochenbrühe sind die nächsten wichtigen Bestandteile des Cassoulets, damit beginnt der heutige Tag.
Zwei Haxen, zusammen gut 2,5 kg schwer, liefern vom oben Gewünschten reichlich. Ihre großen ausgelösten Knochen, um weitere 3 kg Fleischknochen ergänzt, sollten eine gute Brühe für die Bohnen ergeben.


Die Knochen werden zunächst im Backofen auf höchster Stufe dunkelbraun gegrillt. In einem großen Suppentopf, um die 10 oder 12 Liter sollte der schon fassen, nehmen 4 Karotten, 4 Zwiebeln, ein Stück Pastinake, 3 Hälften von 2 quer halbierte Knoblauchknollen in etwas Entenfett wenig Farbe an. Dann kommen die gegrillten Knochen dazu, alles wird mit Wasser bedeckt, 2 Lorbeerblätter, ein paar Zweige Thymian, 1 TL Salz, die streifig geschnittenen Schwarten kommen dazu und der untere Teil von 2 Lauchstangen, in große Stücke zerteilt. Alles langsam erhitzen und für gut 5 oder 6 Stunden kochen lassen.


Weiterhin unabdingbar wäre ranziger (!), fetter Rückenspeck. Vielleicht ein Übersetzungsfehler, jedenfalls gab’s bei mir ein kräftig geräuchertes Stück, so um die 100 g davon werden gewürfelt und mit den Knoblauchzehen aus der verbliebenen viertel Hälfte und einer Kelle Entenfett im Mixer fein püriert.


Als ich die Masse zur Knochenbrühe gab, war mir klar, dass sich der Fettschleim zielsicher auf den Weg in meine Herzkranzgefässe machen würde um sich dort mit einem Schmatzer für immer festzusetzen.


Jedenfalls wird das Einweichwasser von den Bohnen weggeschüttet, die Bohnen kommen in frischem Wasser auf den Herd und werden etwa 5 min. blanchiert. Auch dieses Wasser schüttet man weg.


Dann werden sie erneut aufgegossen, diesmal mit der jetzt fertiggestellten, abgesiebten Knochenbrühe. Man braucht etwa doppelt so viel Brühe wie Bohnen. Nach 45 min. kann man prüfen, ob die Bohnen weich sind, vielleicht dauert es aber auch 1 Stunde oder länger.


Inzwischen nehme ich die Ententeile aus dem Fett und brate sie auf der Hautseite langsam goldbraun. Im Entenfett kocht das Schweinshaxenfleisch nun für etwa 1 Stunde. Ich habe es vorher in Portionsstücke zerteilt.


Danach kommen die Fleischbrocken mit den Wurststücken in das Fett, das die Ententeile beim anbraten in der Pfanne gelassen haben und bräunen ebenfalls leicht an.


Nun wird geschichtet. Leider habe ich nicht den typischen Topf, also eine Cassole, aber eine glasierte Steingutschüssel tut’s halt auch. Wichtig ist die große Oberfläche, damit sich viel Kruste bilden kann – davon unten mehr. Und groß genug muss die Schüssel natürlich sein, meine größte reichte gerade eben.

Zuunterst also eine Kelle der gekochten Bohnenkerne, darauf die Schwartenstückchen, die ich aus der Brühe wieder herausgefischt hatte. Jetzt sollte man etwas salzen und pfeffern, denn bisher wurde ja kaum gewürzt.


Jetzt kommen die Ententeile, dann die Haxenstücke und die Wurst, immer wieder würzen.
Schließlich deckt eine Schicht Bohnen das Ganze ab.


Die fertig beladene Schüssel wird abgedeckt, kühl und sicher über Nacht gelagert.

Samstag, der Tag X

Nochmal salzen, pfeffern, noch ein paar Thymianblättchen aufstreuen, dann alles mit der restlichen Brühe auffüllen und ab damit in den Backofen: 150 Grad C mit Umluft, 4 oder 5 Stunden lang. Danach regele ich auf 100 Grad C herunter und halte das Cassoulet so warm, ob eine weitere Stunde oder zwei ist egal.


Nach der ersten Stunde hat sich eine leichte Kruste gebildet. Die wird mit einer Palette zerstört. Das macht man immer wieder, vielleicht jede halbe Stunde. Bei Bedarf sollte auch Brühe nachgegossen werden.


Am Ende, nach 4 Stunden ist die Kruste knusprig, dunkel und duftet verführerisch.
Es darf angerichtet werden (siehe oben).
Jeder bekommt ein Stück Ente, Wurst, Haxe, Kruste und natürlich Bohnen.

Es tritt Stille ein.
Dann erste verzückte Grunzer. – Natürlich ist das viel Fett auf einmal, doch daran denkt jetzt keiner in der Runde.
Zufriedene Gesichter, mampfende Backen, schlürfende Münder, man ordert nach.
Erste Rufe nach Hochprozentigem.
Allgemeine Fröhlichkeit.
Einfach köstlich.

Zugegeben, es hätte auch für 12 bis 14 gute Esser locker gereicht. Aber manches kann man eben nur in großen Töpfen kochen. Einiges könnten wir einfrieren aber wahrscheinlich wärme ich mir gleich noch eine Portion wieder auf. Ab morgen wollen wir etwas kürzer treten, mal sehen. Aber ich freue mich schon jetzt auf das Cassoulet im nächsten Winter.

Das könnten wir anders machen:
Die Schwarten kommen nicht mehr mit in die Schüssel.
Das mit dem fetten Speck und der Kelle Entenfett lassen wir weg.
Ich besorge die Original-Wurst und -Bohnen, mit knapp einem Jahr Vorlaufzeit sollte das gelingen.
Vielleicht sollte man auch die Haut beim Schichten von den Entenstücken herunternehmen, sie wird sowieso wieder wabbelig. Klein gewürfelt und kross gebraten könnte man sie aber wieder als Würze über das Ganze streuen.

Und hoffentlich sitzen dann wieder die gleichen Leute um den Tisch. Es war ein schöner Abend.

PS.
Ja, es gab auch eine kleine Vorspeise:


Saure Linsen mit Dattel-Chorizo-Creme und Petersiliensauce nach einem Rezept von Jutta „Schnuppschnüss“ Das geht übrigens auch ohne Thermomix ;) )
Ich hatte einen winzigen Klecks Linsen angerichtet und eine kleine Scheibe Fleischpastete dazugelegt.

Und noch ein genauso köstliches Dessert:


Ziegenkäse-Semifreddo mit Birnen, Gewürztraminer-Zabaione und Rosmarinkrokant
(Rezept gibt’s hier).

UPDATE 14.12.2009:

Wir haben’s wieder getan. Fast in der gleichen Besetzung und wieder mit großem Genuss.

Allerdings hatten wir diesmal fertig konfierte Entenkeulen aus FR in Dosen gekauft – unsere selbst konfierten (s.o.) fand ich besser.

Die Haut der Entenkeulen habe ich abgezogen und knusprig gebraten zum Darüberstreuen – ein großer Erfolg.

Den Speck habe ich weggelassen, auch nicht so viel Entenfett darübergegossen – gut so.

Statt der Haxen habe ich eine Schweinsnuss genommen – war auch gut.

Als Wursteinlage nahm ich grobe Schweinsbratwurst, die ich 5 min. angeräuchert hatte – gut.

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Fremdgekocht – dazugelernt.

15.01.2009 vonFranz

Irgendwie koche ich immer fremd. Tausende von Ideen, Bildern, Geschmackserinnerungen haben sich im Laufe der Jahrzehnte bei mir angesammelt, irgendwas beschnuppert, irgendwo verkostet, irgendwann gekocht. Habe ich wohl jemals etwas völlig Neues, nie Dagewesenes auf den Teller gezaubert? Wohl kaum und dennoch schon.
Kochen ist wie Malen: gib allen die gleichen Farben, Pinsel und Papier – dennoch wirst du nicht zwei gleiche Bilder bekommen. Ob Pinsel oder Löffel: Willkommen in der Welt der Kunst.

Wozu also Rezepte? Na, zum Beispiel fürs Archiv und als Gedächtnisstütze. Und natürlich, um das Handwerk zu erlernen. Trotzdem sollte man nicht erwarten, selbst eigene Kreationen auch nur zweimal absolut gleich hinzukriegen. Ich finde das gut so, weil spannend. Und schließlich bin ich kein Profikoch, vor deren täglicher Perfektion ich bewundernd den Hut ziehe. Also nur Mut zum eigenen Versuch und bloß keine Angst vor dem Original.


Petra hatte vorgelegt: In Marsala geschmorte Entenkeulen. Superköstlich, muss ich gestehen. Und wenn man die knusprig angebratenen Keulen so auf dem Gemüsebett plaziert, dass die Haut nicht aufweicht, die Unterseite der Keulen aber langsam zart schmort, wird man mit großem Genuss belohnt.


Auch die Schmorflüssigkeit ist köstlich, wenn es mir auch selten gelingt, zur rechten Zeit ein sämiges Sößchen daraus zu zaubern. Irdendwann ist das Fleisch fertig und perfekt zum Verzehr, somit keine Zeit mehr für langes Einkochen und Aufmontieren des Bratfonds. Deshalb bereite ich die Soße lieber separat zu, aus weiteren Zutaten, die ich extra dafür kaufe.

Beim Rotkraut bin ich Petra auch gefolgt und habe ihr Rotkraut mit Balsamico nachgekocht. Den Anisgeschmack fand ich etwas zu “weihnachtlich” schwer, andere waren davon ganz begeistert.

Statt Püree wollte ich Kartoffelknödel dazu haben. Bolli hatte ein neues Rezept vorgestellt, das ich jedoch traumwandlerisch sicher vermasselte. Kartoffelknödel, ob aus rohen, gekochten Kartoffeln oder halb und halb, bleiben für mich Teufelskram (in meiner Küche) und Wunderwerk (bei anderen). Bei mir werden sie zu grau, zu schmierig, zu fest. Selbst die Knödel aus dem Discounterpulver schlagen meine Horrorkugeln in jeder Disziplin. Poletto nöhlte letztens, das Fertigpulver wäre gar nicht schlecht, und Schuhbeck grunzte Zustimmung. Außerdem könne man ja etwas frische Kartoffeln untermischen. Beim nächsten mal gibt’s also wieder sowas oder ich greife zum bewährten Serviettenknödel.

Die Entenkeulen hatte ich mir aus der Metro mitgebracht und konnte auch bei den nebenan liegenden Entenbrüstchen nicht widerstehen.
In der ersten Ausgabe der neuen Effilee hatte ein Niedrigtemperaturrezept für Entenbrüste meine Fantasie angeregt. Das galt es jetzt auszuprobieren:


Entenbrust mit Niedrigtemperatur gegart

Sehnen und überschüssiges Fett der Entenbrüstchen entfernen.
In einem Topf 2 l Wasser mit 60 g Salz, einem Lorbeerblatt, einem Sternanis, einem Teelöffel Szechuanpfeffer (rosa Pfefferkörner) und 5 Nelken aufkochen, von der Platte nehmen.Die Bruststücke hineinlegen, einige Sekunden warten, wieder herausnehmen.
Das Wasser erneut zum Kochen bringen, von der Platte nehmen.
Die Bruststücke wieder ins Wasser legen, Deckel aufsetzen und 60 min. abseits des Herdes stehen lassen.


Dann Bruststücke herausnehmen, abkühlen lassen, abgedeckt gekühlt aufbewahren.

Die Bruststücke dann wieder Zimmertemperatur annehmen lassen.

Haut rautenförmig einschneiden und auf der Hautseite in Butter braten, bis sie knusprig ist, dann wenden und 1-2 min. weitergaren.

Vor dem Anschneiden mindestens 10 min. warmstellen.

Klingt simpel, ist einfach, funktioniert perfekt und schmeckt köstlich. Das Fleisch ist zart und äußerst saftig, durch und durch wunderbar gewürzt.
Das zweimalige Aufkochen des Suds kann man sich übrigens sparen.


Rotkraut war noch da. Die Knödel habe ich zu Würfeln geschnitzt und allseitig gebraten, das versöhnte ein bisschen.


Dazu Reste von der Entenkeule auf Feldsalat. Mit gelben Linsen, kross gebratener Entenhaut und Scheibchen von schwarzen Nüssen. Nicht schlecht.

Nach der gleichen Niedrigtemperatur-Methode habe ich auch perfekte Hühnerbrüstchen hingekriegt. Die waren auch nach zwei Tagen im Eisschrank noch wunderbar saftig.
Fremdgekocht – dazugelernt.

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Unten ohne

10.01.2009 vonFranz

Anchovis sind was Feines. Besonders, wenn die kleinen Filets in Olivenöl eingelegt waren, kann ich kaum widerstehen, meine Frau findet sie dagegen eher widerlich. Um den häuslichen Frieden am Esstisch nicht zu gefährden, belege ich nur meine Seite dieses köstlichen Endivien-Erbsen-Auflaufs mit den salzigen Leckerbissen. Soll sie doch am faden Ende kauen.

Nein, fad kann man diesen leckeren Schmackofatz nicht nennen – wie alle “Reste-Gerichte” kommt er deftig, lecker, aromatisch auf den Tisch.
Reste sind in diesem Fall ein paar Pellkartoffeln und eine halbe Schachtel TK-Erbsen.

Die Kartoffeln werden gebraten, am besten in Rinderfett, auch “Talg” genannt. Wer davon zum Braten hat, kann überglücklich sein. Jeffrey Steingarten schwört auf Pferdefett und bekam es sogar durch den strengen US-Zoll. In seinem lesenswerten Büchlein (S. 187) berichtet er davon. Das Braten in Rinder- oder Pferdefett scheint hier bei uns noch ein Geheimtipp zu sein.

Ob man Rindertalg beim Metzger einfach kaufen kann, weiß ich nicht. Wahrscheinlich bekommt man’s aber nach Vorbestellung. Beim Pferdefett wird’s wohl schwieriger werden.
Ich schneide mir den Rindertalg von der fetten Hochrippe (Cote de Boeuf) herunter, lasse ihn vorsichtig in der Pfanne aus, filtere ihn in ein Vorratsglas und hole ihn nur für mich und meine liebsten Freunde aus dem Versteck.

Die goldenen Kartoffel-Nuggets bilden die Basis, unten in der gefetteten Auflaufform, etwas salzen und gut pfeffern nicht vergessen.

Basis der Gemüseauflage ist wie so häufig ein Soffritto, hier aus Zwiebeln, Knoblauch, Staudensellerie: alles schmort langsam golfgelb durch, dann kommt die in kleine Flecken geschnittene Endivie, noch feucht vom Waschen obendrauf, fällt schnell zusammen und schmort ohne Deckel mit den Erbsen etwa 10 min. auf kleiner Flamme vor sich hin. Ob glatte oder krause Endivie ist mir dabei im Grunde egal. Wenn Flüssigkeit fehlt, gieße ich etwas Wein an, gewürzt wird endlich mit Salz, Pfeffer und reichlich Muskat. Zum Schärfen mag ich Piment d’Espelette am liebsten, und zwar das Originale mit dem AOC-Zeichen, Nachbauten sind zwar bedeutend billiger, aber nicht empfehlenswert.

Die Gemüsemischung kommt auf die Bratkartoffeln, etwas Schmorflüssigkeit mit dazu.
Obenauf lege ich 5 Eier, einfach so und nicht verschlagen, zur Hälfte etwas Salz darüber und bei 180 Grad C Umluft ab in den Backofen.
Nach etwa 10 min. beginnen die Eier deutlich zu stocken. Jetzt kommen die Sardellen auf meine Hälfte und über alles frisch geriebener Parmesan.

Wieder in den Ofen, so lange, bis alles schön bruzzelt, braun gebacken ist oder Mann es nicht mehr aushalten kann.

Zugegeben, auch ohne Anchovis schmeckt der Auflauf grandios. Aber ab und an auf ein salziges Fischstückchen zu beißen, macht mir viel Genuß, mehr übrigens, als die Sardellen im Soffritto aufzulösen, denn dann würde alles am Ende so’n bisschen nach Fisch schmecken, und das mag ich eigentlich auch nicht.

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food-o-grafie #2

05.01.2009 vonFranz

Die meisten von uns dürften Ihre Foodfotos einmal mit einer kleinen digitalen Kompaktkamera gemacht haben und viele tun das immer noch. Kein Wunder, die Bildqualität ist überzeugend und die Handhabung einfach. Nur, echte Nahaufnahmen lassen sich oft nur umständlich herstellen, wenn überhaupt. Außerdem kann von kontrollierter Tiefenschärfe meistens nicht die Rede sein.

Abhilfe schaffen digitale Spiegelreflexkameras mit Wechseloptik oder die Digi-Modelle mit dem besseren Festobjektiv und dem großen Zoombereich, die äußerlich genauso daherkommen (z.B. Canon PowerShot SX1 IS).

Echte D-SLRs werden oft im “Kit” angeboten, also mit einem Grundzoom, z.B. von 18 bis 55 mm Brennweite. Da der Sensor in der Kamera meist immer noch kleiner ist als das Kleinbildformat, hat man damit im Vergleich zur analogen SLR einen Zoombereich von etwa 27 bis 85 mm. Für die meisten Zwecke reicht das aus. Und wenn auch von manchen als “Flaschenböden” bezeichnet, ist die optische Qualität dieser Einfach-Objektive nicht schlecht.

Aber: lichtstark sind sie nicht. Gerade im Telebereich gehen sie mit 1:5,6 ziemlich in die Knie. Aus der Hand lässt sich in der Küche da nichts mehr verwacklungsfrei fotografieren, auch nicht mit Einstellung auf 1600 ASA. Wer nicht zu einem Stativ greifen will oder mit Blitzlicht fotografiert, muss lichtstarke Objektive verwenden. Lichtriesen aus analogen Zeiten lassen sich bei ebay günstig erwerben, für Nikon-Kameras z. B. das 50 mm / 1,8 oder das 85 mm / 1,8. Beide Objektive gibt es auch mit Anfangsöffnung 1,4 – allerdings viel teurer und dafür nicht so scharf.

Beides sind keine Makro-Objektive, so richtig nah ran an den Speck kommt man aber dennoch, wenn man einen kleinen Zwischenring oder eine Nahlinse benutzt.

Überhaupt sollte man auf die geringst mögliche Entfernungseinstellung achten, auch wenn das Objektiv den Zusatz “Makro” im Namen trägt. So muss man mit dem 105 mm / 2,8 Makro schon ziemlich Abstand nehmen, wenn man einen ganzen Teller im Visier haben möchte. Super-Nahaufnahmen mit geringster Tiefenschärfe gelingen allerdings sehr gut.



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Kindersilvester!

02.01.2009 vonFranz

“Onkel Franz ist ein guter Kocher,” sagte Florian (7), als ich einmal den Drachenfüßler von Alexander Herrmann für die Kinder gemacht hatte: in nullkommanix war alles weggeputzt!
Von Stefan Marquard gibt es auch ein Kinder-Kochbuch: Los, koch mit uns! Natürlich hab ich es in meiner Koch-Bibliothek. Und jetzt, an Silvester, war es dann so weit:
eiskalte Händchen und gelandete Ufos standen auf dem Küchenzettel.

Für zwei Händchen werden 2 große reife Bananen mit 1/2 L Joghurt (1,5 % Fett) vermixt, etwas Vanillezucker und Honig kommen dazu und zusätzlich 10 Blatt (oder 15 g) weiße Gelatine, aufgelöst in wenig warmem Wasser.

Das Ganze wird in ausgewaschene Gummihandschuhe gefüllt (das geht eigentlich nur zu zweit), die werden zugebunden und wandern über Nacht in den Kühlschrank, damit sie schön fest werden.
Dennoch fand ich sie am nächsten Tag immer noch sehr fragil und habe sie schließlich tiefgefroren, damit ich die Gummihaut herunterkriege ohne die Finger gleich mit abzuziehen. Das funktionierte auch nach kurzem Antauen und mit Hilfe eines Federmessers sehr gut. Den Armreif und den Ring aus Ananasscheiben zu schnitzen, fand ich viel schwieriger, und Stefan Marquard hat das in seinem Buch auch schöner hingekriegt.

Dennoch:  schmeckt nicht schlecht und macht gruseligen Spaß.

Die Ufos sind aus Rinderhackfleisch und im Backofen gebraten, die Möhren in 1 EL Wasser mit Salz und Zucker kurz karamellisiert, aber so, dass sie nicht zu weich werden und umknicken. Zusätzlich habe ich Zahnstocher reingeschoben und die Stelzen auch damit an der Ufo-Bulette befestigt.

Die grüne Wiese ist aus Erbsen: in wenig Milch mit einer fein gewürfelten Knoblauchzehe, Zucker und Salz aufkochen, 5 min. köcheln lassen, dann die Hälfte der Erbsen beiseite nehmen, den Rest pürieren. Schließlich wieder alles zusammen aufwärmen.

Die blauen “Felsen” sind in Salzwasser gekochte blaue Kartoffelstückchen.

Viel Spaß



und alles Gute im neuen Jahr!

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